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Was ist Bindung? 

Wenn «junge Eltern» gestresst sind, weil der «24 Stunden-Baby-Job», die grosse Veränderung des Alltags und der Partnerschaft, vielleicht sogar das «Sich abgeschnitten fühlen» oder das Aufbrechen von «alten Wunden» alles auf den Kopf stellen, können Eltern den Kontakt zu sich selbst und zum Baby verlieren. Darum ist Selbstwahrnehmung, Stressregulation und Selbstberuhigung für den Bindungsprozess so bedeutsam und gegenseitig wirksam. Wenn Eltern «in sich selbst Ruhen» stärkt es ihr  Mitgefühl, ihre Aufmerksamkeit und ihre emotionale Verfügbarkeit. Das ist der nährende Boden für Bindung. Wir alle haben diese natürliche Fähigkeit.

Unser Bindungssystem ist ein eigenständiges Motivationssystem, das von der Geburt bis ins hohe Alter wirksam ist. Die Bindungstheorie beruht auf der Annahme, dass Menschen ein angeborenes Bedürfnis haben, enge und überdauernde Beziehungen aufzubauen. Eine sichere Bindung ist ein Schutzfaktor für die gesunde Entwicklung und Widerstandskraft des Kindes.

Die Beziehung und das Fürsorgeverhalten der Eltern prägen «ein inneres Arbeitsmodell» des Kindes – wie das Kind sich und sich selbst in der Welt erlebt. In den ersten 2 Jahren entwickelt sich eine Repräsentation von Bindung und es festigen sich die jeweiligen – manchmal lebenslang bestehenden – Bindungsmuster.

Bindung ist ein Primärbedürfnis und sichert das Überleben des Kindes. Jeder Säugling hat darum ein angeborene Bedürfnis Nähe, Zuwendung und Schutz bei einer vertrauten Person zu suchen. Die seelische Gesundheit des Kindes ist davon abhängig, wie die Bezugsperson das Kind bei belastenden Situationen unterstützt, zum Beispiel bei Kummer und Angst. Kinder fühlen sich sicher, wenn ihre Signale, Bedürfnisse ernst genommen, beantwortet und befriedigt werden. Bindungsverhalten zeigt sich zum Beispiel als weinen, anklammern, Arme ausstrecken und ist ein Zeichen für die Suche nach Schutz und Sicherheit. Erst wenn das Kind beruhigt und getröstet ist, kann es wieder aufmerksam die Umwelt entdecken.

Die Bindungsperson ist die sichere Basis für das Kind. Sicherheit entsteht, wenn das Baby wiederholt erleben kann, dass es mit der Bezugsperson eingestimmt (kontingent) verbunden ist. Dann entsteht ein Gefühl von Wohlbefinden und das Kind kann wieder in die Welt hinaus, sich dem Spiel, dem Fremden zuwenden und neue Erfahrungen machen.

Feinfühliges Verhalten der Eltern fördert eine sichere Bindung. Feinfühligkeit bedeutet, dass die Eltern wahrnehmen, wie es dem Kind geht anhand seiner Gesten, seines Gesichtsausdruckes, seines Verhaltens. Die Eltern interpretieren die Signale richtig, sie reagieren prompt, unmittelbar und angemessen auf die Bedürfnisse des Säuglings. Unabhängig, wie es ihnen gerade selbst geht ,weil sie das Befinden des Babys von ihrem Befinden trennen können. Feinfühlige Eltern sind liebevoll, behutsam, langsam und zart.

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Antoine de Saint-Exupery

«Wenn die Liebe einmal gekeimt hat, treibt sie Wurzeln, die nicht mehr aufhören zu wachsen».